Alex – Ort des Grauens

Der Alexanderplatz ist ein grausamer Ort. Kein Berliner geht da hin wenn es nicht sein muss. Und da es hier nichts gibt, muss auch nie jemand hin. Selten mal zum Umsteigen, aber das war es auch schon. Auch die vielen Touristen, die zum Alexanderplatz strömen stehen nach kurzer Zeit da und fragen sich, was sie hier sollen. Sie sind gekommen, weil man als Tourist eben hin geht. So wie auf den Markusplatz in Venedig oder zum Empire State Building in New York.

Leider sind wir weder in Venedig noch in New York sondern auf dem Alexanderplatz in Berlin und hier gibt es… Richtig. Nichts. Es gibt einen Turm, viele belanglose Einkaufsmöglichkeiten, eine Cocktailbar, die ihren Namen nicht verdient, Emos, einen Brunnen, ein Hotel und eine Weltzeituhr. Diese hält uns auch gleich wieder auf erschreckende Weise vor Augen, dass wir weder in New York noch in Sydney oder Tokyo sind. Kommen wir nun aber zum absolut schlimmsten was der Alexanderplatz zu bieten hat und was auch der Grund für diesen Artikel ist. Nämlich die unsäglichen Holzbuden die dort quasi immer stehen und aus denen irgendetwas verkauft wird. Was das ist, ist eigentlich völlig egal. Es sind auch offensichtlich immer die selben Buden mit den selben Verkäufer*innen. Lediglich die Dekoration aussen und der Plunder innen ändern sich je nach Jahreszeit. Irgendeinen Grund für Verkaufsbuden gibt‘s ja immer. Ganz wichtig ist der Weihnachtsmarkt. Aus dem Weihnachtsmarkt wird dann, wenn es gut lief, einfach der Wintermarkt. Dieser geht nahtlos über in den Ostermarkt. Danach kommen Frühlings- und Sommerfest, irgendwas mit Kleinkunst, Mittelaltermarkt, Erntedank- und Herbstfest und siehe da, es ist fast wieder Zeit für den Weihnachtsmarkt. Im Grunde werden die Buden nur abgebaut um den Platz mal ordentlich sauber zu machen. An sich könnte man sie das ganze Jahr über stehen lassen und immer dem aktuellen Anlass entsprechend dekorieren und mit verkäuflichem Ramsch bestücken.

Ja, der Alexanderplatz ist ein schrecklicher Ort und es gibt wirklich keinen Grund dort zusein wenn man nicht muss. Ausser man ist eine Termite oder ein Bieber und will sich an den Holzhütten mal so richtig satt fressen. Naja, oder man sitzt in einer der Buden und verkauft Plunder an ahnungslose Touristen.

Dieser Artikel ist von 2014 und ursprünglich auf Suplex Magazine erschienen.