Die Geheimzahl des Networking

Wie klein die Welt doch ist – wie oft sagt man das, nachdem man in neuer Runde zusammen gesessen hat. Nach kurzer Zeit werden die sozialen Verbindungen ausgelotet. Wer kennt wen oder ist durch welche Person miteinander verbunden? Es dauert nicht lange, bis gemeinsame Bekannte ausgemacht sind und der Kreis geschlossen ist. Der Anfang für den Ausbau des eigenen Netzwerks ist damit gemacht. Oft wird die aufgedeckte Verbindung für großen Zufall gehalten und alle sind verwundert. So groß ist der Zufall aber meistens gar nicht. Gerade dann, wenn man sich in Gruppen mit ähnlichen Interessen oder beruflichem Hintergrund bewegt. Networking Guru Keith Ferrazzi schreibt in seinem Buch „Geh niemals allein essen“, dass jeder Mensch nur maximal sieben Menschen vom anderen entfernt ist. Meistens liegen sogar nur drei oder vier Personen dazwischen. Jure Leskovec und Eric Horvitz haben dieses sog. Kleine-Welt-Phänomen, welches 1967 von Stanley Milgram als These aufgestellt wurde, erforscht. Dafür haben sie 240 Millionen Instant-Messenger-Accounts ausgewertet. Das Ergebnis: 6,6 Personen ist die Kette im Durchschnitt lang, die zwei Personen die sich nicht kennen, miteinander verbindet.

In den meisten Fällen kennen wir diese Kette nicht. Schon bei der zweiten Person einer Kette ergeben sich zahllose Möglichkeiten in welche Richtung eine Personenkette gehen könnten. Doch dadurch lässt sich selbst zu scheinbar undenkbaren Personen eine Verbindung herstellen. In Gedanken bin ich eine für mich völlig Absurde durchgegangen. Die von mir hin zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Die Kette sähe wie folgt aus: Ich habe einen Freund (1), dessen Vater (2) stammt aus Korea und kennt den koreanischen Botschafter (3) in Berlin. Dieser kennt viele andere Regierungsmitarbeiter. Unter anderem einen Unterhändler (4). Dieser hat an Gesprächen mit einem nordkoreanischen Unterhändler (5) teilgenommen. Dieser kennt Kim Jong Un persönlich bzw. dessen Berater (6). Bis zu Person (4) kann ich die Kette tatsächlich nachvollziehen. Die Kette zu Barack Obama z.B. ist wahrscheinlich noch kürzer, obwohl ich meines Wissens nach über keine aktiven Kontakte in die Politik verfüge. Ich schätze aber, dass der Weg über einen mir bekannten Pressefotografen bzw. einen Personenschützer führt. Vielleicht ist es aber auch meine Anwältin. Man weiß nie genau wer wohin Kontakte pflegt. Oft wissen diese Personen selbst nichts über ihre Kontaktmöglichkeiten und dessen fantastisches Potential in Sachen Networking.

Selbst wenn man meint über keinerlei Verbindungen in eine Region oder einen Personenkreis zu haben, reicht oft schon eine einzelne Person aus um diesen Bereich zu erschliessen. Wenn man beispielsweise keine Verbindung in die USA hat, muss man nur einen Amerikaner kennenlernen um im Optimalfall den Kontakt zu Personen in nahezu den ganzen USA aufzubauen. Hier ist es lediglich ein Personensprung bis über den großen Teich. Nicht auszudenken zu welcher großen Anzahl von Menschen sich der Kontakt mit zwei Personensprüngen aufbauen ließe. Meiner Erfahrung nach lassen sich Sprünge bis zu zwei Personen problemlos arrangieren. Darüber hinaus wird es kniffelig. Es erfordert Geschick und das Wohlwollen der Kontaktpersonen. Sprünge von 3 und mehr Personen sind vor allem aber rückwärts hilfreich. Also nicht bei der Suche des Kontaktes zu einer entfernten Person sondern wenn man diese zufällig kennenlernt. Geht man zusammen die Kette rückwärts, findet man schnell gemeinsame Bekannte und macht die Verbindung zueinander ausfindig. So kann man den anderen schneller zuordnen. Die gemeinsamen Kontakte, insofern sie positiv sind, bürgen in gewisser Weise für einander und helfen Vertrauen aufzubauen. Gerade bei einem zweiten Wiedersehen erhöht eine gemeinsame Verbindung die Wiedererkennung des Einzelnen. Falls nicht, lässt sich mit der Erwähnung gemeinsamer Bekannter schnell ein neues Gespräch aufbauen.

Wir wissen also, die Welt ist wirklich ein Dorf und Bekanntschaften und Verbindungen sind offenbar gar kein so großer Zufall wie oft angenommen. Wir können dies nutzen um aktiv an unserem Netzwerk zu arbeiten. Viele Menschen, die wir kennen möchten, ob beruflich oder privat, sind gar nicht so weit von uns entfernt. Dabei ist es egal, ob wir den Kontakt zu einer Person suchen, die wir namentlich kennen oder jemand noch Unbekanntes in einer bestimmten Position. Wer sich mit etwas Gespür in seinem Bekanntenkreis auf die Suche macht, findet sicherlich schnell einen Bekannten der einem wiederum mit einem Kontakt weiterhelfen kann. Einfach mal die Namen im Telefon, bei Facebook oder Xing durchsuchen und überlegen wer wen kennen könnte. Die meisten Menschen helfen gerne beim herstellen von Kontakten.

Ein Gedanke zu „Die Geheimzahl des Networking

  1. dazu #worthreading

    Mark Granovetter – The Strength of Weak Ties. Er hatte die Hypothese, das schwache aber zahlreiche soziale Bindungen wie flüchtige Bekannte usw. einen hohen Informationsgehalt besitzen. Erkenntnis : Nicht (nur) deine Familie bringt dich weiter, sondern (vorallem) der Typ am Kiosk.

    Albert-Laszlo Barabasi – Linked. Er überträgt das Prinzip der Six Degress of Seperation auf die Logik Sozialer Netzwerke, die sich von der mathematischen Logik unterscheiden. Erkenntnis(se): Wie funktionieren Early Adopters? Was ist ein Hub? usw.

Die Kommentare sind geschloßen.